Radnetz Rhein-Hunsrück 2030: Ziele & Schritte
Lücken schließen, Sicherheit erhöhen – der Plan
Wer im Kreis Rhein-Hunsrück häufiger mit dem Rad unterwegs ist, kennt die Situation: Auf der einen Seite locken herrliche Landschaften und ruhige Nebenstraßen, auf der anderen fehlen oft durchgängige, sichere Verbindungen zwischen den Orten. Genau hier setzt das Radverkehrskonzept Rhein-Hunsrück an. Bis 2030 sollen bestehende Lücken geschlossen, Gefahrenstellen entschärft und neue Radschnellverbindungen geschaffen werden. Dieser Artikel beleuchtet die wichtigsten Ziele, zeigt auf, welche Schritte bereits eingeleitet sind, und erklärt, wie Fördermittel den Ausbau vorantreiben.
Ausgangslage: Wo steht das Radnetz heute?
Der Kreis Rhein-Hunsrück verfügt über ein wachsendes Netz touristischer Radrouten – etwa den Schinderhannes-Radweg oder den Hunsrück-Radweg. Doch im Alltag fehlt es vielerorts an durchgängigen, sicheren Verbindungen für Pendler, Schüler und Einkaufsfahrten. Viele Ortschaften sind nur über schmale Kreisstraßen ohne eigene Radwege erreichbar. Gerade auf Schulwegen oder für ältere Menschen bedeutet das ein erhöhtes Risiko.
Gleichzeitig wächst die Nachfrage: Immer mehr Menschen nutzen das Fahrrad – auch dank E-Bikes – für längere Strecken. Unternehmen suchen nach nachhaltigen Mobilitätslösungen, und Kommunen wollen Ortskerne vom Durchgangsverkehr entlasten. Das Radverkehrskonzept soll diese Bedarfe systematisch aufgreifen und in konkrete Maßnahmen übersetzen.
Zentrale Ziele bis 2030
Das Konzept verfolgt mehrere ineinandergreifende Ziele, die sich grob in vier Handlungsfelder gliedern lassen:
1. Lückenschluss im Alltagsnetz
Vorhandene Teilstrecken sollen miteinander verbunden werden. Konkret bedeutet das: Wo heute ein Radweg an der Ortsgrenze endet und Radfahrende auf eine vielbefahrene Landstraße wechseln müssen, entstehen künftig durchgängige, baulich getrennte oder zumindest klar markierte Radwege. Besonders im Fokus stehen Verbindungen zwischen größeren Ortschaften und den umliegenden Gemeinden – etwa zwischen Simmern, Kastellaun, Kirchberg oder Emmelshausen.

2. Sicherheit auf Schulwegen
Viele Schülerinnen und Schüler im ländlichen Raum sind auf das Fahrrad angewiesen. Das Konzept identifiziert besonders kritische Abschnitte – enge Kurven, unübersichtliche Einmündungen, fehlende Radwege entlang von Schulbusrouten – und plant gezielte Maßnahmen: breitere Standstreifen, bessere Beleuchtung, Querungshilfen an Kreuzungen. Ziel ist, dass Eltern ihre Kinder wieder beruhigt mit dem Rad zur Schule schicken können.
3. Radschnellverbindungen für Pendler
Für längere Strecken – etwa von den Hunsrückgemeinden Richtung Rheintal oder ins Moseltal – sind sogenannte Radschnellverbindungen geplant. Diese zeichnen sich durch breite, ebene Trassen, wenige Kreuzungen und Vorfahrt für Radfahrende aus. Erste Machbarkeitsstudien laufen bereits; realisierbar sind solche Strecken oft entlang stillgelegter Bahntrassen oder parallel zu Bundesstraßen. Auch E-Bike-Ladestationen und Servicepunkte sollen entlang dieser Achsen entstehen.
4. Verknüpfung mit ÖPNV und Tourismus
Radverkehr funktioniert am besten im Verbund: Sichere Abstellanlagen an Bahnhöfen und Bushaltestellen, Fahrradmitnahme in Bussen, übersichtliche Beschilderung und digitale Routenplaner. Touristische Routen werden so gestaltet, dass sie auch Alltagsradler nutzen können – etwa durch Anbindung an Supermärkte, Arztpraxen oder Arbeitgeber. So entsteht ein Netz, das Freizeit und Alltag gleichermaßen bedient.
Wie entsteht das Konzept? Planungsschritte im Überblick
Ein Radverkehrskonzept dieser Größenordnung entsteht nicht am Reißbrett, sondern in mehreren aufeinander aufbauenden Schritten:
- Bestandsaufnahme und Mängelanalyse: Fachbüros erfassen das vorhandene Netz, identifizieren Gefahrenstellen und werten Unfallstatistiken aus. Auch Rückmeldungen aus der Bevölkerung – etwa über Online-Meldeportale – fließen ein.
- Bedarfsermittlung: Wo fahren Menschen heute schon Rad? Wo wünschen sie sich Verbindungen? Pendlerströme, Schulwege und touristische Hotspots werden analysiert.
- Zielnetzplanung: Auf Basis der Daten entsteht ein Zielnetz – eine Karte, die zeigt, wo welche Art von Radweg (baulich getrennt, Schutzstreifen, Fahrradstraße) entstehen soll.
- Maßnahmenkatalog und Priorisierung: Nicht alles lässt sich sofort umsetzen. Deshalb werden Maßnahmen nach Dringlichkeit, Kosten und Förderfähigkeit sortiert. Schulwege und Lückenschlüsse mit hohem Nutzen stehen meist ganz oben.
- Bürgerbeteiligung: Entwürfe werden öffentlich vorgestellt, Bürgerinnen und Bürger können Anregungen geben. Oft entstehen so wertvolle Hinweise zu lokalen Besonderheiten.
- Politischer Beschluss: Der Kreistag verabschiedet das Konzept als Handlungsgrundlage. Damit ist der Weg frei für Förderanträge und Bauplanung.
Stand Anfang 2025 befindet sich das Radverkehrskonzept Rhein-Hunsrück in der Phase der Maßnahmenpriorisierung. Erste Pilotprojekte – etwa der Ausbau eines Schulwegs bei Kastellaun oder die Machbarkeitsstudie für eine Radschnellverbindung Richtung Boppard – sind bereits angelaufen.

Fördermittel: Wer zahlt den Ausbau?
Radwegebau ist teuer – pro Kilometer können je nach Bauweise 200.000 bis über 1 Million Euro anfallen. Ohne Fördermittel wäre das Konzept kaum umsetzbar. Glücklicherweise stehen mehrere Fördertöpfe zur Verfügung:
Bundes- und Landesförderung
Das Bundesverkehrsministerium fördert Radschnellwege und überregionale Verbindungen im Rahmen des Klimaschutzprogramms. Rheinland-Pfalz hat zudem ein eigenes Landesprogramm für kommunale Radwege aufgelegt, das bis zu 75 Prozent der Baukosten übernimmt – bei besonders wichtigen Projekten (etwa Schulwegen) auch mehr.
EU-Mittel und LEADER
In ländlichen Regionen wie dem Hunsrück können über LEADER-Programme auch EU-Gelder fließen. Voraussetzung: Das Projekt muss in die regionale Entwicklungsstrategie passen und idealerweise mehrere Gemeinden einbinden.
Kommunale Eigenmittel
Auch der Kreis und die Verbandsgemeinden müssen sich beteiligen – typischerweise mit 10 bis 25 Prozent der Kosten. Hier hilft, dass viele Maßnahmen ohnehin im Zuge von Straßensanierungen oder Neubaugebieten realisiert werden können und so Synergien entstehen.
Wichtig: Fördermittel müssen rechtzeitig beantragt werden, und die Projekte müssen bestimmte Standards erfüllen (Breite, Oberfläche, Beschilderung). Deshalb ist eine sorgfältige Planung – wie im Radverkehrskonzept angelegt – unerlässlich.
Erste Schritte: Was bereits läuft
Auch wenn das Gesamtkonzept noch nicht vollständig beschlossen ist, zeigen erste Pilotprojekte, wohin die Reise geht:
- Schulweg Kastellaun–Lahr: Auf dieser vielbefahrenen Strecke entsteht ein baulich getrennter Radweg. Fertigstellung ist für 2026 geplant. Finanziert wird das Projekt zu 80 Prozent über Landesmittel.
- Radschnellverbindung Simmern–Boppard (Machbarkeitsstudie): Untersucht wird, ob die alte Hunsrückbahntrasse für eine Radschnellverbindung genutzt werden kann. Erste Ergebnisse liegen vor und sind vielversprechend.
- Fahrradstraßen in Emmelshausen: Im Ortskern werden mehrere Nebenstraßen zu Fahrradstraßen umgewidmet – Autos dürfen nur noch mit Tempo 30 fahren, Radfahrende haben Vorfahrt.
- Abstellanlagen an Bahnhöfen: An den Haltepunkten in Boppard, Oberwesel und Bacharach entstehen überdachte, abschließbare Fahrradboxen. Auch E-Bike-Ladestationen werden installiert.
Diese Projekte dienen als Blaupause: Was funktioniert, wird auf andere Orte übertragen. Was Probleme bereitet, wird angepasst.

Herausforderungen: Wo es hakt
So sinnvoll das Konzept ist – die Umsetzung bringt Hürden mit sich:
Flächenverfügbarkeit
Für baulich getrennte Radwege braucht es Platz. An engen Kreisstraßen muss oft Ackerland erworben oder Böschungen abgetragen werden. Das kostet Zeit und erfordert Verhandlungen mit Grundeigentümern.
Topografie
Der Hunsrück ist hügelig – für Radschnellverbindungen sind möglichst ebene Trassen ideal. Nicht überall lässt sich das realisieren, ohne aufwendige Brücken oder Tunnel zu bauen. Hier helfen E-Bikes, doch die Infrastruktur muss trotzdem stimmen.
Abstimmung zwischen Akteuren
Radwege verlaufen oft über mehrere Gemeinden, manchmal über Kreisgrenzen hinweg. Jede Gebietskörperschaft hat eigene Prioritäten und Haushaltspläne. Koordination ist deshalb entscheidend – und manchmal mühsam.
Akzeptanz
Nicht alle sehen den Radwegebau als vordringlich an. Manche Autofahrer fürchten Einschränkungen, manche Anwohner sorgen sich um Lärm oder Verkehr. Transparente Kommunikation und frühzeitige Beteiligung helfen, Vorbehalte abzubauen.
Zeitplan: Was passiert wann?
Das Radverkehrskonzept ist auf die kommenden Jahre angelegt. Ein grober Fahrplan sieht so aus:
- 2025: Abschluss der Maßnahmenpriorisierung, politischer Beschluss des Gesamtkonzepts, Start weiterer Pilotprojekte.
- 2026–2028: Umsetzung der ersten Ausbaustufe – vorrangig Schulwege und Lückenschlüsse mit hohem Nutzen. Parallel laufen Planungen für Radschnellverbindungen.
- 2029–2030: Zweite Ausbaustufe mit überregionalen Verbindungen und touristischen Routen. Evaluierung der bisherigen Maßnahmen und Anpassung des Konzepts.
- Ab 2030: Kontinuierliche Weiterentwicklung und Instandhaltung. Radverkehr wird als fester Bestandteil der Verkehrsplanung verankert.
Wichtig: Diese Zeitpläne sind als Orientierung zu verstehen. Verzögerungen durch Fördermittelverfahren, Baukapazitäten oder Wetterbedingungen sind im ländlichen Raum nicht ungewöhnlich.
Welchen Nutzen bringt das Konzept konkret?
Ein gut ausgebautes Radnetz wirkt sich auf viele Lebensbereiche aus:
Mobilität und Lebensqualität
Wer sicher Rad fahren kann, ist unabhängiger – gerade in Regionen mit dünnem ÖPNV-Takt. Kinder können selbstständig zur Schule, ältere Menschen bleiben mobil, Pendler sparen Spritkosten.
Gesundheit
Regelmäßiges Radfahren stärkt Herz-Kreislauf-System und Muskulatur, reduziert Stress und verbessert die Stimmung. Wenn mehr Menschen aufs Rad umsteigen, sinkt auch die Feinstaubbelastung – gut für alle.
Klimaschutz
Jeder Kilometer, der mit dem Rad statt mit dem Auto zurückgelegt wird, spart CO₂. Für den Kreis Rhein-Hunsrück bedeutet das einen Beitrag zu den regionalen Klimazielen.
Tourismus und Wirtschaft
Radtouristen geben Geld aus – in Gaststätten, Hotels, bei Fahrradvermietern. Ein attraktives Radnetz lockt Besucher und stärkt die lokale Wirtschaft. Auch Unternehmen profitieren: Mitarbeiter, die mit dem Rad zur Arbeit kommen, sind oft ausgeglichener und seltener krank.
Wie können sich Bürgerinnen und Bürger einbringen?
Das Radverkehrskonzept lebt von lokalem Wissen. Wer täglich bestimmte Strecken fährt, kennt Gefahrenstellen, Abkürzungen oder sinnvolle Verbindungen oft besser als jeder Planer. Deshalb gibt es mehrere Möglichkeiten, sich einzubringen:
- Online-Meldeportale: Viele Kommunen bieten Plattformen, auf denen Bürgerinnen und Bürger Mängel melden oder Wünsche äußern können – oft per Karte mit Markierung.
- Öffentliche Informationsveranstaltungen: Bei Bürgerversammlungen werden Pläne vorgestellt und diskutiert. Termine werden über die lokale Presse und die Webseiten der Verbandsgemeinden bekannt gegeben.
- Arbeitskreise und Beiräte: In manchen Gemeinden gibt es Radverkehrsbeiräte, in denen Interessierte mitarbeiten können.
- Austausch im HunsTreff: In der Community-Plattform des Hunsrück Portals können Erfahrungen geteilt, Routen diskutiert und gemeinsame Aktionen geplant werden.
Wichtig: Je früher Hinweise kommen, desto eher können sie in die Planung einfließen. Wenn der Bagger erst rollt, sind Änderungen meist nicht mehr möglich.
Ausblick: Radverkehr als Teil der Mobilitätswende
Das Radverkehrskonzept Rhein-Hunsrück ist mehr als eine Sammlung von Bauprojekten. Es ist ein Signal: Radverkehr wird ernst genommen, systematisch gefördert und als gleichberechtigter Teil des Verkehrssystems verstanden. Bis 2030 soll ein Netz entstehen, das Alltag und Freizeit verbindet, das sicher und komfortabel ist – und das zeigt, dass nachhaltige Mobilität auch im ländlichen Raum funktioniert.
Natürlich wird nicht jede Ortschaft eine eigene Radschnellverbindung bekommen, und nicht jeder Wunsch lässt sich sofort erfüllen. Doch die Richtung stimmt: Schritt für Schritt, Kilometer für Kilometer entsteht ein Radnetz, das den Hunsrück lebenswerter macht. Für alle, die hier wohnen, arbeiten oder Urlaub machen.
Fazit: Die wichtigsten Punkte im Überblick
- Systematischer Ausbau: Das Radverkehrskonzept Rhein-Hunsrück plant bis 2030 den Lückenschluss im Alltagsnetz, sichere Schulwege und neue Radschnellverbindungen.
- Fördermittel sichern Umsetzung: Bundes-, Landes- und EU-Programme übernehmen den Großteil der Kosten; kommunale Eigenmittel ergänzen die Finanzierung.
- Erste Projekte laufen: Pilotvorhaben in Kastellaun, Emmelshausen und entlang der Hunsrückbahn zeigen, wie Theorie in die Praxis umgesetzt wird.
- Beteiligung erwünscht: Bürgerinnen und Bürger können über Meldeportale, Veranstaltungen und Community-Plattformen wie den HunsTreff ihre Erfahrungen einbringen.
- Langfristige Perspektive: Radverkehr wird als fester Bestandteil der regionalen Mobilitätsstrategie verankert – mit positiven Effekten für Gesundheit, Klima und Wirtschaft.
Was ist das Radverkehrskonzept Rhein-Hunsrück?
Das Radverkehrskonzept ist ein strategischer Plan des Kreises Rhein-Hunsrück, der bis 2030 den systematischen Ausbau des Radwegenetzes vorsieht. Ziel ist es, Lücken zu schließen, die Sicherheit zu erhöhen und Alltagsradverkehr sowie Tourismus gleichermaßen zu fördern. Das Konzept umfasst Bestandsaufnahme, Bedarfsermittlung, Zielnetzplanung und einen priorisierten Maßnahmenkatalog.
Welche Fördermittel stehen für den Radwegebau zur Verfügung?
Radwegebau im Kreis Rhein-Hunsrück wird über Bundes-, Landes- und EU-Programme gefördert. Das Bundesverkehrsministerium unterstützt Radschnellwege, Rheinland-Pfalz fördert kommunale Radwege mit bis zu 75 Prozent der Kosten. Zusätzlich können LEADER-Mittel für ländliche Projekte beantragt werden. Kommunale Eigenmittel ergänzen die Finanzierung.
Wann werden die ersten Radwege fertiggestellt?
Erste Pilotprojekte wie der Schulweg Kastellaun–Lahr sollen bis 2026 abgeschlossen sein. Die erste Ausbaustufe mit Schwerpunkt auf Schulwegen und wichtigen Lückenschlüssen ist für 2026 bis 2028 geplant. Radschnellverbindungen und überregionale Routen folgen in der zweiten Ausbaustufe ab 2029. Zeitpläne können sich durch Fördermittelverfahren oder Baukapazitäten verschieben.
Wie kann ich mich als Bürgerin oder Bürger einbringen?
Bürgerinnen und Bürger können über Online-Meldeportale der Kommunen Mängel melden oder Wünsche äußern. Bei öffentlichen Informationsveranstaltungen werden Pläne vorgestellt und diskutiert. Auch in Radverkehrsbeiräten oder über Community-Plattformen wie den HunsTreff können Erfahrungen geteilt und Anregungen eingebracht werden. Frühzeitige Hinweise erhöhen die Chance, dass sie in die Planung einfließen.
Was sind Radschnellverbindungen und wo sind sie geplant?
Radschnellverbindungen sind breite, möglichst ebene Radwege mit wenigen Kreuzungen und Vorfahrt für Radfahrende. Sie sind für längere Pendelstrecken ausgelegt. Im Kreis Rhein-Hunsrück läuft aktuell eine Machbarkeitsstudie für eine Verbindung von Simmern nach Boppard, möglicherweise entlang der alten Hunsrückbahntrasse. Weitere Strecken werden im Rahmen des Radverkehrskonzepts geprüft.
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